Federico Dimarco: Einer der Besten – und trotzdem unter dem Radar?

Die Position des Schienenspielers hat in den letzten Jahren, begünstigt durch den Trend hin zur Dreierkette, eine Art Renaissance erlebt. Ob es Alejandro Grimaldo und Jeremie Frimpong waren, die bei Bayer 04 Leverkusen eine Meisterschaft gewannen, ohne eine einzige Niederlage hinnehmen zu müssen, oder ob es Borussia Dortmund in der Saison 2025/26 war, in der Julian Ryerson und Daniel Svensson zu Schlüsselspielern heranwuchsen – Trainer greifen zu einem taktischen Setup, in dem Spieler auf der Schiene offensive wie defensive Aufgaben haben. Selbstverständlich müssen sich diese auch mit gelernten Außenverteidigern vergleichen und können natürlich in der Regel auch in einer Viererkette auflaufen. Wenn von den besten Spielern auf dieser Position die Rede ist, werden Namen wie Nuno Mendes oder Achraf Hakimi (beide Paris Saint-Germain) genannt, doch ein Name taucht zu selten in den Diskussionen auf: Federico Dimarco.

Federico Dimarco
Federico Dimarco vor einem Spiel © Michael Emilio (CC BY 4.0)

Werdegang

Federico Dimarco stammt gebürtig aus Mailand und ist ein Inter-Eigengewächs. Der Karriereweg des 28-Jährigen war aber keinesfalls frei von Stolpersteinen. Nach 12 Jahren in der Jugend der Nerazzurri wurde er in zwei aufeinanderfolgenden Saisons ausschließlich zweimal eingesetzt und spielte hauptsächlich in der zweiten Mannschaft. Er wurde schließlich erst an Ascoli Calcio für eine Rückrunde und dann an den FC Empoli ausgeliehen. 2017 verließ er seinen Heimatverein erstmals fest und ging in die Schweizer Liga zum FC Sion. Dort verblieb er jedoch nur ein Jahr und kehrte direkt zu Inter zurück, wurde daraufhin aber wieder verliehen: Erst zu Parma, dann zu Hellas Verona – wo er seinen endgültigen Durchbruch als Serie-A-Akteur feiern konnte.

2021 war sein langer Weg zum Inter-Spieler beendet. Von dort an war er zuerst endlich regelmäßig Teil des Kaders und kämpfte sich bis in die Startformation des damaligen Trainers Simone Inzaghi. Seitdem stehen zwei Champions-League-Finalteilnahmen, rund 160 Partien für seinen Klub, ein Scudetto und individuelle Auszeichnungen wie die Berufung ins Serie-A-Team der Saison zu Buche. Neben den Kluberfolgen gelangen ihm auch Fortschritte als Nationalspieler Italiens, wo er zunächst von der U15 bis zur U21 in sämtliche Altersklassenkader eingeladen wurde und 2022 auch für die A-Nationalmannschaft nominiert wurde. Was für den Vereinsfußball gilt, gilt auch für die Nationalmannschaft: Dimarco ist gesetzt.

Analyse

Federico Dimarco ist ein Wingback, der seine Position offensiv interpretiert und stets seiner Mannschaft Breite gibt. Ab dem zweiten Drittel ist er in das Spiel stark eingebunden und läuft die Schiene hoch und runter.

In der Datenanalyse fällt vor allem eine Eigenschaft seines Spiels auf: Im Serie-A-Vergleich ist er mit Abstand der beste Außenverteidiger, wenn es darum geht, Flanken in die Box zu bringen, und spielt sie zudem mit dem höchsten Volumen. Mit einem Zielspieler wie Marcus Thuram oder auch Lautaro Martinez, der trotz seiner geringeren Körpergröße ein guter Kopfballspieler ist, ergibt das natürlich Sinn. Allerdings muss die Flankenqualität auch erst einmal gegeben sein, um diesen Spielstil so umzusetzen – und dort ist er statistisch wohl der beste Flankengeber Europas. Seine Fähigkeiten im Bereich der Chancenkreation sind aber nicht auf das Flankenspiel aus der Breite beschränkt. Im Vergleich zu allen Spielern aus den europäischen Top-5-Ligen bringt er die drittmeisten Pässe in den gegnerischen Strafraum, sechstmeisten Schuss-Assists und die am 13.-meisten Key Passes – Statistiken, die normalerweise den besten Zehnern oder Flügelspielern zuzuordnen sind. Auch in tieferen Positionen wird seine starke Übersicht benötigt, da er auch im statistischen Bereich der progressiven Pässe überragt.

Federico Dimarco Plot DataMB
Federico Dimarco: Bestwerte im Bereich der Chancenkreation (DataMB)

Selbstverständlich müssen Verteidiger auch in der Lage sein, das eigene Tor zu verteidigen. In den letzten beiden Saisons sprechen die Zahlen dabei wenig für den italienischen Nationalspieler. Schwache Stats im direkten Duell, in der Luft ganz klar unterlegen – wie bringt Dimarco seiner Mannschaft jetzt aber defensiven Impact? Körperlich zieht er im direkten Duell zwar meistens den kürzeren. Jedoch besticht er insbesondere in den Saisons 2022/23 und 2023/24 mit seiner Klarheit im direkten Duell und lief dabei sogar regelmäßig als Halbverteidiger in der Dreierkette auf. Heute ist sein Spiel jedoch stärker auf die Offensive ausgerichtet. Daher muss er nicht mit derselben Intensität verteidigen, und sein Trainer sieht ihn eher als Offensiv- denn als Defensivspieler.

Fazit

Federico Dimarco ist zweifelsohne einer der besten Flügelverteidiger des Planeten. Das belegen Zahlen, die in diesem Artikel offenbart wurden. Besonders offensiv liefert er Inter Mailand Fabelzahlen und beackert die linke Schiene wie kein Zweiter. Auch sonst kann sich die Bilanz sehen lassen: Mit Dimarco steht Inter gleich zweimal in 5 Jahren im Champions League-Finale und das als Unterschiedsspieler. Während seine Konkurrenten auf dieser Position teilweise nur davon träumen können.

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